Rehkitzrettung Ortenau

Nun auf eigener Homepage -
Landwirte können sich direkt anmelden

Erstellt am 16.03.2021

Folgen Sie diesem Link:

Die Rehkitzrettung Ortenau stellt sich vor

Überall im Land entstehen zur Zeit Gruppen zur Rehkitzrettung bei der frühsommerlichen Mahd. In enger Zusammenarbeit mit Jägern und Landwirten wollen auch wir präventive Massnahmen erarbeiten und weiterentwickeln. Im Zentrum steht dabei die Anwendung leistungsfähiger Drohnen- Wärmebildkamera-Sets.

Innerhalb der Jägervereinigung Offenburg gibt es seit 2020 eine Rehrettungsgruppe. Die Mitglieder sind geschulte Drohnenpiloten. Bei 50 Einsätzen im Bereich der JV OG, aber auch im weiteren Umkreis in der Ortenau haben wir schon in der ersten Saison 30 Rehkitze vor dem vermäht werden gerettet.

Die Ausrüstung ist 2021 um 2 weitere modernste Drohnensysteme mit Wärmebildkamera erweitert worden, so dass jetzt 3 Drohnengruppen zur Kitzrettung bereitstehen.

Die Mitglieder unserer Pilotengruppe sind sowohl aktive Jäger als auch naturliebende Geoinformatiker. Alle sind Hobbydrohnenpiloten mit der staatlichen Prüfung für den Kenntnisnachweis. Einige haben auch Erfahrungen im Drachen- und Gleitschirmfliegen.

 

Unsere Ziele:

 

Wir nehmen den Auftrag Hege ernst. Nachdem herkömmliche Kitzrettungsmethoden sehr zeit- und personalintensiv sind, ist der geübte und sorgfältige Einsatz modernster Technik eine fast 100%ige Erfolgsgarantie. So ersparen wir dem Landwirt oder dem Jäger den Anblick grausam verstümmelter Rehe. Die Qualität des gewonnen Grün-, Heu- oder Silagefutters wird nicht durch verwesende Kadaver beeinträchtigt (Stichwort: lebensgefährlicher Botulismus).

 

Wir informieren Jäger, Landwirte und die Öffentlichkeit über unser Angebot. Wir sensibilisieren sie für diese Art Tierschutz und zeigen eine Ausweg aus dem Dilemma, das aus immer effizienterer, aber auch gefahrbringender Mähtechnik auf immer größeren Flächen zu immer früheren Zeiten (Stichwort Klimawandel) in immer höherer Frequenz (bis zu fünf Mahden im Jahr) entsteht.

 

Unser Angebot ist für Jäger und Landwirte kostenlos. Wir finanzieren unsere Dienstleistung aus Spenden (s. u.).

 

Leitbild:

 

Wir haben zur Erreichung unserer Ziele folgendes Leitbild:

Gesellschaftliches Engagement und Verantwortungsbewusstsein;

Mitgefühl für Tier und Umwelt;

Respekt anderen Menschen gegenüber.

Wir Jäger kennen dies als Verpflichtung zur Hege und als gelebte Weidgerechtigkeit.

 

Ablauf der Kitzsuche:

 

Wir suchen auf Anfrage von Jagdpächtern und/oder Landwirten Wiesen und Rebflächen vor der Mahd/dem Mulchen mit Drohen und Wärmebildkameras nach Tieren ab, die im hohen Gras sonst nur schwer oder gar nicht auffindbar wären. Die gefundenen Tiere werden an Ort und Stelle mit übergestülpten Kisten und Markierungsfahnen an Stangen gesichert und gekennzeichnet oder aus der Wiese herausgetragen und außerhalb im Schatten in Jutesäcken, Apfelkisten usw. bis nach der Mahd abgelegt.

 

Biologische Grundlagen:

 

Kitze werden in den ersten Wochen nach ihrer Geburt von ihren Müttern, der Rehgeiß oder Ricke, zur Tarnung oft im hohen Gras abgelegt. Zur eigenen Äsung hält sie sich in einiger Entfernung aus, kommt aber alle 3-4 Stunden zum Säugen zum Kitz zurück. Damit weder Fressfeinde wie der Fuchs noch Greifvögel das Kitz entdecken, helfen mehrere Faktoren mit:

 

  • das Kitz hat in den ersten Wochen fast keinen Eigengeruch - darum erst gar nicht anfassen (die Helfer der Kitzrettung haben Handschuhe an und tragen die Kitze mithilfe von Grasschwaden).
  • die Tüpfelung auf dem fahlbraunen Fell imitiert Sonnenflecken- beste Tarnung!
  • bei Gefahr duckt sich das Kitz noch tiefer in seine Kuhle im hohen Gras und rührt sich nicht. Ältere Kitze warten bis zum letzten Augenblick, um dann doch noch zu fliehen - leider oft erfolglos bei den schnellen Mähwerken.

 

Gefahren beim Mähen:

 

Bis in die 70er Jahre war Mähen mit der Sense oder kleinen Messerbalgen an Mähmaschine oder Traktor noch Standard; auch da waren schon Mähopfer zu beklagen, aber wegen der geringen Geschwindigkeit noch überschaubar.

Moderne Kreiselmähwerke an schnellen Traktoren mähen viele Meter breite Streifen. Da hat das Jahrtausende alte Schutzprogramm der Wildtiere keine Chance.

 

Herkömmliche Methoden der Kitzrettung:

 

  • Vergrämung vor der Mahd

Die Kenntnis des Reviers und des Verhaltens der Rehgeißen und Kitze ermöglicht die gezielte Vergrämung der Flächen vor der Mahd durch Laut- und Blitzsignale oder aufgestellte Stangen mit knisternden Foliensäcken, damit die Geißen ihre Kitze aus der unruhigen Wiese führen.

 

  • Durchstreifen der Wiesen mit Menschenketten und Hunden unmittelbar vor dem Mähen
  • Mähtechnik: in Streifen von innen nach außen, damit Wild nicht über freie Flächen flüchten muss und sich lieber in der immer kleiner werdenden Grasfläche in der Mitte versteckt und dann vermäht wird.

 

Diese Methoden sind erfahrungsgemäß, gemessen am Aufwand, sehr unergiebig und bringen daher

viel Frustration mit sich, wenn trotz des hohen Einsatzes Kitze zum Opfer fallen.

 

Doch wir können den Einsatz mit moderner Technik auf einen Bruchteil reduzieren:

 

Technische Grundlagen der Rehkitzrettung mithilfe moderner Drohnen mit Wärmebildkamera:

 

Eine Wärmebildkamera misst Temperaturunterschiede mittels Infrarotstrahlung und stellt sie in Hell-Dunkel oder in unterschiedlichen Farben dar.

Ein Rehkitzkörper im hohen Gras hat eine Oberflächentemperatur von 21-25 °C. Für einen ausreichenden Kontrast sollte die Umgebungstemperatur deutlich darunter liegen. Das ist nach der nächtlichen Abkühlung in den Wiesen auch im Sommer der Fall. Geflogen wird daher in den frühen Morgenstunden ab der Dämmerung bis um ca. 8 Uhr30.

Die verwendete Wärmebildkamera hat eine gute - und daher teure - Optik, die es uns erlaubt, überlappende Streifen von 30 m Breite in 50-80 Metern Höhe zu überfliegen und Kitze und Feldhasen, aber auch Füchse und Fasanennester sicher von ihrer kühleren Umgebung zu unterscheiden.

Wir programmieren von einer zu befliegenden Fläche spätestens am Abend davor einen Flugplan mit Wegpunkten, den die Drohne nach dem Start selbständig in Streifen abfliegt.

Die Akkuleistung erlaubt Flüge bis 25 Minuten Dauer, ein ha Wiese ist in einigen Minuten ausreichend sicher abgesucht.

Wenn ein Tier entdeckt ist, wird der Flugplan unterbrochen und die Drohne abgesenkt, um genauer hinzuschauen. Die Drohne schwebt dann über der Fundstelle und weist den Helfern den Weg dahin. Wenn das Tier gesichert ist, wird der Flugplan fortgesetzt.

Da wir ausreichend viele geladene Akkus für einen ganzen Morgen dabei haben, können so viele ha Wiesenfläche an einem Morgen abgesucht werden, das zigfache Flächenergebnis im Vergleich zu herkömmlichen und sorgfältig durchgeführten Methoden.

Wenn dann die Sonne schon seit 6 Uhr früh das Gras zunehmend erwärmt hat, sind herausstehende Grasschwaden oder Maulwurfshügel oder grasfreie Stellen so erwärmt, dass eine sichere Abgrenzung von gleichwarmen Rehkörpern nicht mehr gewährleistet ist.

 

Nach der Kitzrettung:

 

Der Landwirt sollte unmittelbar oder bald nach dem Überfliegen mit der Mahd beginnen. Wartet man zu lange, können noch Kitze in die Fläche einwechseln und vermäht werden. Auch muss das Säugeintervall der Rehe von 3 bis max. 4 h beachtet werden. Wenn das Gras liegt, werden die Kitze freigelassen. Die Geißen, die sich in gebührender Entfernung bzw. Nähe aufhalten, holen sie dann schon bald ab; sie verständigen sich über ihre Fieplaute. Daher muss ein Helfer bis nach der Mahd vor Ort bleiben oder der Landwirt wird gut instruiert die Kitze selber freilassen.

Die Drohnenpiloten fliegen dann schon längst weitere Flächen ab.

 

Markierung der Kitze

 

Wenn es der Jagdpächter wünscht, werden Kitze mit Ohrmarken gekennzeichnet. In Zusammenarbeit mit der Wildforschungsstelle Aulendorf ergibt dies wichtige Daten zur Lebensweise des Rehwilds, wenn die Ohrmarken an erlegten oder verendeten Rehen gefunden werden.

 

Der Landwirt:

 

Er meldet möglichst früh vor der Mahd - auch unabhängig vom Mähtermin, falls die Wiese später abgesucht werden soll - die Fläche bei uns an. Das geht entweder über den Jagdpächter, per Mail oder Telefon direkt oder auf unserer Flächenanmeldungskarte auf dieser Homepage. Das ermöglicht uns ein entspanntes Erstellen der Flugpläne und die Koordinierung von Piloten und Helfergruppen. Am besten ist, wenn der Landwirt und der Jäger sich schon im Vorfeld um mithelfende Tierfreunde z.B. aus Familie oder Freundeskreis kümmern.

 

Ob bei der Aktion Kitze gefunden und gesichert werden oder „nur“ die Wiese für „rehfrei“ erklärt wird, es ist beides gut: Sie können beruhigt Ihre Mäharbeit erledigen, ohne schlimme Erfahrungen befürchten zu müssen.

 

Der Jäger:

 

Kitzrettung gehört rechtlich in den Bereich der Jagd, ist sie doch Aufsuchen und Nachstellen von Wildtieren. Dazu muss der zuständige Jagdausübungsberechtigte seine Zustimmung erteilen. Das gilt auch für die Ohrmarkierungen. In den meisten Fällen ist er und seine HelferInnen gleich selbst dabei, wenn es die berufliche Situation jeweils erlaubt.

 

 

Wie können Sie helfen?

 

Durch Teilnahme:

 

Wer einmal bei einem Kitzrettungseinsatz am frühen Morgen dabei war, wird das Erlebnis trotz des frühen Aufstehens nicht mehr missen wollen. Sie werden als Helfer an den Wiesenrändern, in Weinbergen auch auf den Terrassenstufen aufgestellt, um mit den Körben, Jutesäcken und Markierungsfahnen schnell am Lagerort der Kitze sein zu können. Wegen der Akkukapazitäten und der Menge an zu befliegender Fläche ist Geschwindigkeit Trumpf, damit die Drohnen bald weitersuchen können.

 

Regelungen wegen der Vorsichtsmaßnahmen gegen die Coronavireninfektion:

Wir halten den Abstand ein, der beim Zusammenwirken in Menschengruppen vorgeschrieben ist.

Wir tragen Mund- Nasen- Bedeckungen. Wir halten Abstand z.B. zwischen den Piloten- und Helfergruppen. Wir verzichten b.a.w. auf gemeinsame anschließende Frühstücke.

 

Durch Spenden:

 

Der Preis für die Ausrüstungen sind in den letzten Jahren zwar ziemlich gefallen, aber immer noch erheblich: 6000- 8000 € für ein effektives Drohnen- Wärmebildkamera - Set mit ausreichend Akkus für 3-4 h Flugzeit.

 

Jeder Beitrag von Ihnen ist uns willkommen; wenn Sie die Spende überweisen, nennen Sie bitte den Stichpunkt Rehkitzrettung, Ihren Namen und die Adresse und bekommen von uns, wenn gewünscht, eine Spendenbescheinigung.

Da die JV OG eine als gemeinnützig anerkannte Naturschutzvereinigung gilt, sind solche Spenden steuerabzugsfähig.

 

Stichpunkt: Rehkitzrettung

in der Jägervereinigung Offenburg

Sparkasse Offenburg
IBAN: DE 25 6645 0050 0000 1160 13
SWIFT BIC: SOLADES1OFG
 

Alle wichtigen Infos auf einen Blick:

 

Broschüre zur Rehkitzrettung des LJV

Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V.

Kitzrettung Broschüre Landesjagdverband

https://www.landesjagdverband.de/

 

Broschüre der Deutschen Wildtierstiftung:

Gemeinsam gegen den Mähtod

https://www.deutschewildtierstiftung.de/

 

Link zu Youtube: Unsere Drohne filmt unsere Kitzrettung im Mai 2020 im Breitenbachtal bei Hausach. Unser Erfolg auf einer Bergwiese: 4 Kitze in Kisten isoliert und in den nahen Wald herausgetragen, 1 Rehgeiß mit 3 älteren Kitzen vergrämt und von der Fläche in den Wald in Sicherheit getrieben.

https://www.youtube.com/watch?v=T1QSN2wd2DM

 

Kontakt:

 

Georg Schilli

mobil 0179 974 24 14

info@jaeger-offenburg.de

Zurück zur Übersicht