Weitere Neuigkeiten von der Rehkitzrettung

Georg Schilli u. Martin Hetzel haben den staatlich geprüften Kenntnisnachweis im Drohnenfliegen und es gibt Weiteres zu berichten:

Erstellt am 24.06.2020

Kreisjägermeister Georg Schilli berichtet weiter wie folgt:

Mein Mitpilot ist Martin Hetzel aus Gengenbach- Haigerach, auch Jäger und Jagdhornbläser in der Gengenbacher Bläsergruppe. Wir üben fleißig seit Anfang des Jahres, haben den staatlich geprüften  Kenntnisnachweis im Drohnenfliegen, sind aktiv in der Rehrettung seit Mitte Mai, da hatten wir unsern Jungfernflug bei Kreisjägermeister der JV Lahr, Dr. Wolfgang Lauer, in Ottenheim/ Meissenheim. Dort fanden wir das erste Kitz. Mittlerweile über 60 Einsätze von Hausach bis Kehl, von Münchweier bis Zusenhofen, viele  Flüge im Bereich Neuried, mit Stand heute über 30 geretteten Rehkitzen und mehreren wohlgefüllten Fasanennestern.

Unser Angebot an die Landwirte, zu mähende Flächen per Drohnenflug ab zu suchen, ist strikt kostenlos; uns geht es um Erfüllung unserer Aufgabe zum SCHUTZ des Wildes (Hege und Schutz als vorrangig im Jagdgesetz verankert) und sinnvoll aktiv zu sein gegen den massenhaften sinnlosen Tod vor dem Kreiselmähwerk- nur noch getoppt von dem nicht minder sinnlosen Tod von Millionen Wildtieren im Verkehr. (Mahd kostet 100 00 Kitzen, der Verkehr 200 000 Rehen das Leben und die Gesundheit).

Abgesehen von der tierschutzbedingten Pflicht des Landwirts, Schäden an Wirbeltieren zu vermeiden, ist es auch in seinem Interesse, aus Silage und Heu Kadaver von Tieren, seien es von Kitzen oder Fasanenhennen, heraus zu halten, da seinen Tieren sonst wegen Botulismus schwerste gesundheitliche Schäden drohen. Und jenseits dieser Überlegungen zeigt uns der Blick in gelöste, entspannte, ja freudige Gesichter, dass die Aussicht, jetzt ohne Angst vor schrecklichen Konsequenzen befreit drauflos mähen zu können, es richtig gemacht zu haben, eine Win-Win-Win- Situation für Wild, Landwirt und Jäger.

Von Anfang Mai bis Ende Juni stehen wir um 4 Uhr morgens auf, um bei Heuwetter jedes Mal eine neue Runde mit unserer Wärmebilddrohne zu fliegen, oft 10 oder 15 verschiedene Wiesen an unterschiedlichen Orten in der Ortenau. Wir fahren in der frühen Dämmerung durch unsere schönen Landschaften durch den Bodennebel, sehen Rehwild, Füchse, manchmal auch Schwarzwild in Wiesen und Äckern schon bei der Anfahrt, und während unserer Flüge tönt gerade in der Rheinebene das viel zu seltene Gock-Gock des Fasanenhahns herüber.

Bei der Anmeldung der Flächen bekommen wir die möglichst genaue Lagebeschreibung in Google Maps oder dem Kartentool der Landwirtschaft, FIONA, zugesandt. Wir erstellen dann in unserem Controller, der Drohnenfernbedienung, einen wegepunktflugplan, der vor Ort abzurufen ist und wegen dem dann  autonomen Flug in Streifen über der Wiese es erlaubt, unsere Aufmerksamkeit dem per Funk auf unser Wärmebilddisplay gesandten Livefilm zu widmen. Wenn sich ein typischer heller Fleck im dunklen strukturierten Grau der Wiesenoberfläche abzeichnet, unterbrechen wir den Flug und senken unsere Drohne bis auf wenige Meter über das Objekt, oft teilt erst der Abwind unserer Drohnenpropeller die Grasschwaden, sodass das Kitz, der Fuchs, das Fasanengelege offen daliegt. Wir dirigieren unsere Helfer, die ihren Fundort durch die darüber schwebende Drohne im Auge haben, zu der genauen Stelle hin, unterstützt durch Funkgeräte, oftmals korrigieren wir noch einen Meter davor die dann sich im Wärmebild genau und hell abzeichnenden Helfer, weil selbst direkt daneben die Kitze nicht zu sehen sind. Das ist ja auch der immense Vorteil dieser Methode gegen jeden Suchgang per Pedes durch die Wiesen: selbst enge Linien von Suchern überlaufen regelmäßig Kitze, mitgeführte Hunde nehmen sehr schwer Witterung auf, da die Kitze in den erste Lebenswochen zum Schutz vor Beutegreifern keinen ausgeprägten Eigengeruch haben- und der Heupollen ihnen binnen Minuten die Nase verklebt. Die gefundenen Kitze, die, wenn sie erst einige Tage bis wenige Wochen alt sind, instinktiv regungslos an den Boden drücken – das hilft gegen Beutegreifer, aber nicht gegen Kreiselmähwerke, werden entweder an Ort und Stelle mit übergestülpten Körben oder Apfelkisten und Fahnenmarkierungen gesichert, so dass der Landwirt darum herum mähen kann, oder aus den Gefahrenflächen in den geschützten schattigen Außenbereich verbracht, auch in geschlossenen mit Gras gepolsterten Behältnissen, und nach der Mahd freigelassen. Die Geiß steht schon in der Nähe, bemerkbar machen sich Mutter und Junge durch ihr arttypisches Fiepen, und bald haben sie sich gefunden und suchen gemeinsam das Weite. Wichtig bei dieser Methode ist in der Kooperation mit dem Landwirt, dass die Mähaktion bald stattfindet, damit das Kitz innerhalb maximal 3-4 Stunden wieder gesäugt werden kann. Und auch das kam vor: gestern mussten die Kisten gegen über ein Dutzend Störche verteidigt werden, die patrouillenartig die frisch gemähten Wiesen absuchen, dabei ist diesen mittlerweile durch menschlichen Einfluss massenhaft vorkommenden Opportunisten von der Ringelnatter und Blindschleiche, der Maus bis hin zum Häschen alles in der nun nicht mehr schützenden Fläche ein gefundenes- im Naturschutz allerdings kontrovers diskutiertes- teures Fressen.

Nach nun mehr als 60 Einsätzen in unserer ersten Saison können Martin Hetzel und unsere vielen freiwilligen Helfer, von denen auch einige angehende Drohnenpiloten für die nächste Saison sind, ein uneingeschränkt positives Fazit ziehen. Unbeschreiblich das warme Herzgefühl, wieder einem Lebewesen in eine schönen neuen Tag geholfen zu haben.

Da die Ausrüstung ihren Preis hat- gegen 10 000 € für eine Drohne mit Wärmebildtechnik, die auflösungsstark genug ist, um aus 50 m Höhe einen breiten Streifen Gelände überlappend mit dem nächsten und vorletzten absuchen zu können und weder Kitze, Häschen noch Fasanennester zu übersehen- finanzieren wir uns über Mitgliedbeiträge zur Jägervereinigung Offenburg  und über Spenden. Die  JV OG ist ein als gemeinnützig anerkannter Naturschutzverein und die Spenden für alle ihre Zwecke steuerlich absetzbar.

Wir gehen fest davon aus, dass diese Technik in der Zukunft einen festen Platz in der Vorbereitung der Frühjahrs- und Sommermahd haben wird. Angesichts der insgesamt immensen Flächen hoffen wir darauf, dass sich weitere Initiativen innerhalb der jagdlichen Vereinigungen bilden, und bieten allen eine durch Fotos und Videos illustrierte PP- Präsentation unserer vielfältigen, ungemein spannenden Erfahrungen unserer ersten Saison an. Nur durch Gründung und Einarbeitung vieler Drohnengruppen werden wir die gewiss steigende Zahl an anfragen erfüllen können- im Einklang von Wild, Jagd und Natur. Unser Landesjagdverband hat eine schön bebilderte und hochinformative Broschüre zur Kitzrettung aufgelegt, die wir auf Anfrage gerne zur Verfügung stellen.

 

Unsere Kontoverbindung:

Jägervereinigung Offenburg e.V.

IBAN: DE25664500500000116013  SWIFT BIC: SOLADES1OFG

Bis 200 € reicht die Vorlage des ÜW- Belegs beim Finanzamt.

Unsere Nr. im Vereinsregister: VR 470040

Hier zweckgebundene Spenden mit dem Zusatz „Rehkitzrettung" versehen.

 

Erstellt am 24.06.2020
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